Liebe Patient*innen und Patienten,
gerade sind wir gesundheitspolitisch auf rauer See unterwegs; mehr als das, der Psychotherapie für gesetzlich Versicherte wird aktuell der Todesstoss versetzt. Schon heute warten Patient*innen vielerorts viel zu lange auf einen Therapieplatz. Menschen, die ambulant gut behandelbar wären, rutschen dadurch in Krisen, Arbeitsunfähigkeit oder stationäre Behandlungsbedürftigkeit. Gleichzeitig schafft die Bundesregierung die Grundlage für ambulante Psychotherapie faktisch ab. Doch nicht nur das: Auch die neurologisch und psychiatrisch tätigen Kolleg:innen, die für eine gelungene medikamentöse Einstellung und als Kooperationspartner für eine gute Behandlung unverzichtbar sind stehen vor ähnlichen Herausforderungen; genauso wie die hausärztliche Versorgung und alle anderen Facharztpraxen.
Der Psychotherapieverbund fasst es wunderbar zuammen: Warum Psychotherapieplätze fehlen; Information für gesetzlich Versicherte, die einen Psychotherapieplatz suchen.
Vermutlich sind Sie hier, weil psychisches Leid Ihren Alltag erheblich einschränkt – Ihre Arbeitsfähigkeit, Ihr Familienleben und Ihre gesellschaftliche Teilhabe – und Sie trotzdem keinen Therapieplatz finden.
Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten möchten Sie behandeln. Doch ein bereits heute unzureichendes Versorgungssystem für Ihr Anligen wird nun weiter eingeschränkt.
Am 10. Juli 2026 haben die Regierungsfraktionen die gesetzlichen Voraussetzungen dafür geschaffen, psychotherapeutische Leistungen wieder zu budgetieren. Für rund 70 Prozent der gesetzlichen psychotherapeutischen Praxen bedeutet das: Statt bis zu 30 können künftig möglicherweise nur noch 18 Therapiesitzungen pro Woche verlässlich vergütet werden.
Gleichzeitig wurde der gesetzliche Schutz einer angemessenen Vergütung psychotherapeutischer Leistungen gestrichen. Viele Praxen werden in der Konsequenz ihre Tätigkeit für gesetzlich Versicherte reduzieren oder sich anderen Arbeitsfeldern zuwenden.
Die Leidtragenden sind Sie. Sie werden voraussichtlich länger warten und häufiger abgewiesen werden. Viele gesetzlich Versicherte könnten überhaupt keinen Therapieplatz mehr erhalten. Stattdessen sollen ihnen zunehmend andere, kurzfristig kostengünstigere Angebote (mit langfristigen Folgekosten) gemacht werden:
- Apps statt Therapieplatz.
- Gesetzlich Versicherten sollen künftig verstärkt digitale Anwendungen angeboten werden – auch wenn sie persönliche Psychotherapie benötigen.
- Medikamente statt Psychotherapie.
- Bei gesetzlich Versicherten drohen rein medikamentöse Behandlungen häufiger an die Stelle fehlender Psychotherapie zu treten.
- Billigere Angebote statt qualifizierter Psychotherapie.
Krankenkassen drängen auf Sparmodelle, in denen gesetzlich Versicherte aus Kostengründen gezielt in Angebote mit geringeren Qualifikations- und Qualitätsstandards gelenkt werden – statt die notwendige Psychotherapie zu erhalten.
Der Verband der Ersatzkassen (TK, BARMER, u.a.) und der GKV-Spitzenverband (AOK, DAK, u.a.) haben zentrale Elemente dieser Umgestaltung bereits vor dem Gesetzgebungsverfahren gefordert. Die Bundesregierung und die sie tragenden Fraktionen (CDU/CSU/SPD) haben wesentliche Teile dieser Forderungen aufgegriffen, während die anderen Parteien geschlossen dagegen votiert haben.
Das ist kein abstrakter Verwaltungsakt. Das ist der Abbau ambulanter Versorgung.
Die Folgen sind absehbar:
Patient*innen warten noch länger. Erkrankungen chronifizieren. Krisen, Chronifizierung, Schul-/Arbeitsausfälle, Ausbildungs- und Studienabbrüche, Verwahrlosung, Klinikaufnahmen, Jugendhilfe- und Eingliederungshilfebedarf nehmen zu. Kliniken geraten weiter unter Druck. Stationäre Aufnahmen nehmen zu.
Und am Ende zahlen sogar die Krankenkassen mehr, obwohl sie kurzfristig sparen wollten. Denn ambulante Psychotherapie ist kein Kostentreiber. Sie ist eine der wirksamsten und wirtschaftlich sinnvollsten Versorgungsformen im Gesundheitssystem. Krankenkassendaten zeigen: Jeder in Psychotherapie investierte Euro kann je nach Patient*innengruppe etwa zwei bis vier Euro an Folgekosten einsparen, , wie eine groß angelegte Studie im Auftrag der Techniker Krankenkasse gezeigt hat. Wer hier kürzt, spart also nicht. Er verschiebt Kosten in teurere Systeme: Kliniken, Krankengeld, Arbeitsausfälle, Chronifizierung und Erwerbsminderung.
Das ist eine Lose-lose-Situation:
- Für Patient*innen, weil Hilfe später kommt.
- Für Kliniken, weil der Aufnahmedruck steigt.
- Für Praxen, weil viele wirtschaftlich an die Wand gedrückt werden.
- Und für die Kassen, weil aus kurzfristiger Einsparung langfristig Mehrkosten werden.
- Für Kommunen, weil Mechanismen wie der sozialpschiatrische Dienst überlastet werden.
- Für den Staat, weil Steuereinnahmen sinken.
Ambulante Psychotherapie muss extrabudgetär bleiben. Es braucht eine angemessene Entlohnung und eine Finanzierung des Nachwuchs. Eine Rückführung in die Budgetierung wäre ein massiver Rückschritt hinter den Grundsatz: ambulant vor stationär.
In diesem Sinne kann ich leider aktuell keine gesetzlich versicherten Patient:innen langfristig mehr aufnehmen (Ausnahmen sind Versicherte der Bosch BKK). Komplexbehandlungen sind unter diesen Rahmenbedingungen quasi unmöglich. Auch der Ausbau des Gruppenangebots wird damit auf Eis gelegt, evtl. sogar ganz beendet.
Schreiben Sie Ihrer Krankenkasse, ihren politischen Vertreter:innen und machen Sie andere Menschen auf die aktuelle Entwicklung aufmerksam.
Vielen Dank! Stefan Hackenberg-Lintz
Herzlich Willkommen
Ich,
Stefan Hackenberg-Lintz, bin Diplom-Psychologe, Psychologischer Psychotherapeut, Supervisor und Dozent mit einer Spezialisierung auf komplexe Störungsbilder und Beziehungsstrukturen. Seit Oktober 2019 bin ich in eigener Praxis in Bamberg niedergelassen.
Mein therapeutisches Vorgehen verstehe ich als einen integrativen Ansatz, in welchem sich klassische verhaltenstherapeutische Methoden mit modernen Verfahren, wie Schematherapie, Akzeptanz- und Commitmenttherapie (ACT) und EMDR, ergänzen.
Ich freue mich darauf, Sie in all Ihrer Einzigartigkeit kennen zu lernen und mit Ihnen neue Wege zu beschreiten.
Mittlerweile hat sich das Team vergrößert:
Dana Reithel ist seit Mai 2024 als approbierte psychologische Psychotherapeutin und Sicherstellungsassistenz mit an Bord.
Janika Lintz ist als eigenständige psychologische Psychotherapeutin ebenfalls in der Praxis aktiv.
Aktuelles
ABWESENHEIT/URLAUB
Aktuell sind alle Psychotherapeut*innen in der Praxis, trotz rauer See (siehe unten).
In dringenden Fällen wenden Sie sich bitte an Ihre behandelnden Ärzt*Innen oder eine entsprechende Fachklinik.
Alternativ können sie auch den auf psychiatrische Krisen spezialisierten "Krisendienst Oberfranken" kontaktieren. Sie erreichen diesen kostenlos, täglich von 0 – 24 Uhr unter 0800 / 655 3000.
Auch die Telefonseelsorge bietet eine erste Anlaufstelle für Krisen. Diese ist ebenfalls kostenlos und täglich von 0 – 24 Uhr unter 0800 / 111 0 111, 0800 / 111 0 222 oder 116 123 erreichbar ist.



